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Frau Krämer gibt nicht auf

Marlies Krämer gibt nicht auf und kämpft weiter für gendergerechte Sprache auf Sparkassenformularen

Nie mehr „Kunde“ sein: Das wünscht sich Marlies Krämer schon seit Jahren – und hat deswegen ihre Sparkasse verklagt. Die Achtzigjährige will nicht länger hinnehmen, dass die Bank sie in Geschäftsdokumenten nur in der männlichen Form anspricht. Dafür geht Krämer durch alle Instanzen. Im Netz aber gibt es für ihren Kampf um Gleichberechtigung viel Häme. Warum eigentlich?

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Das Bisschen Fleisch

Ein Stück rohes Fleisch

Sie soll das Bolzenschussgerät am Hinterkopf des Lämmchens ansetzen. Dann abdrücken, um den sogenannten Hirnstamm zu zerstören. Im „besten“ Fall bekommt das Tier dann nichts mehr mit, bricht bewusstlos zusammen. Was folgt: Das Messer, das die Kehle durchtrennt. Mit dem Blut weicht auch das Leben aus dem Lamm. Reine Routine für ein Bisschen Fleisch.
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Warum wir nicht das Leben unserer Eltern führen

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Alle Türen stehen uns offen: Wir haben ein gutes Elternhaus, eine teure Ausbildung, waren im Ausland und wenn wir dann in unserer ersten ordentlich bezahlten Festanstellung stecken, ja dann zerbrechen wir uns über den nächsten Urlaub den Kopf oder wenigstens darüber, was in der kommenden Woche so im Kino, Theater oder auch im Fernsehen läuft. Denn ganz anders als unsere Eltern, die zum Teil noch in den ersten Jahren nach dem Krieg aufgewachsen sind, müssen wir uns um die Basics keine Sorgen machen. Eher ertrinken wir noch im Meer der Möglichkeiten. All das hat aber auch eine Schattenseite. Continue Reading

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Im Abseits: Warum die Türkei
mir fremd geworden ist

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Als ich klein war, sind wir gefühlt jeden Sommer in die Türkei geflogen: Antalya, Side, Fethiye, Kemer – jedes dieser Ferienparadiese an der türkischen Riviera kannte ich. Jahr für Jahr tauchten wir ein in die türkische Kultur, lernten Land und Leute kennen und schätzen. In die Türkei zu fliegen, das wurde zur sommerlichen Gewohnheit, das Land zu einem Herzensort in der Ferne. Damals wusste ich noch nicht, dass ich viele Jahre später an der Uni Lehrveranstaltungen zur Türkei besuchen, mich in meiner Magisterarbeit mit ihr auseinandersetzen und einen Sommer dort an der Uni verbringen würde – und auch nicht, was bis heute aus diesem Land, das mich seit meiner Kindheit in so vielfältigen Formen begleitet hat, werden sollte. Wie konnte es so weit kommen? Ein Erklärungsversuch. Continue Reading

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Influencer: Das schöne gekaufte Leben

Influencer: Das schöne gekaufte Leben

Frühstück in LA, Lunch in New York, Dinner unterm Eiffelturm: Zugegeben, eine Zeit lang fand ich es unterhaltsam, verschiedene Influencer auf Instagram oder Snapchat bei ihren Reisen, Shoppingtouren und Mode-Hauls zu verfolgen. Inzwischen aber haben sich meine Social Feeds in eine beliebige Aneinanderreihung der immer gleichen Events, Reiseziele und Produktvorstellungen verwandelt, mit denen man sich gegenseitig zu übertrumpfen versucht. Aber was hat das, was ich auf allen Kanälen tagaus, tagein sehe, überhaupt noch mit mir und meinem Leben zu tun? Continue Reading

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Was aus Weihnachten wurde

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Früher hat es an Weihnachten geschneit. Jedenfalls ist das in meiner Erinnerung so. Zu Hause haben wir Butterplätzchen gebacken, die einzigen Plätzchen, die meine Mutter überhaupt backen konnte. In meiner Erinnerung saßen wir an jedem Adventssonntag auf den beiden japanisch gemusterten Sofas im großen Wohnzimmer und sangen Weihnachtslieder – wobei ich mir besonders viel Mühe gab, weil ich mir sicher war, das Christkind würde ganz genau hinhören. Danach las meine Mutter mir Weihnachtsgeschichten vor, aus einem Brigitte-Weihnachtsbuch. Unsere Versuche, in der Vorweihnachtszeit zu basteln, gaben wir beide wegen mangelnden Basteltalents schnell wieder auf. Wichtig war und blieb aber, dass ich meinen Wunschzettel gleich zu Beginn der Adventszeit abends auf der Fensterbank im Esszimmer deponierte, gleich neben dem Teelichtengel mit dem großen roten Mund – damit er am nächsten Morgen vom Christkind auch wirklich mitgenommen wurde. Continue Reading

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Graceland: Wenn Reisen zur Abzocke wird

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„It’s 10 dollars, M’am.“ Was sind schon 10 Dollar für einen Parkplatz, denkst du, und zahlst. 10 Dollar, denke ich, und fange an, am gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Die Frau im Kassenhäuschen kaut gelangweilt auf ihrem Kaugummi herum. Ihre Hand streckt sich fordernd meiner heruntergelassenen Scheibe entgegen.

10 Dollar, um den Mietwagen in der brütenden Junihitze im schattenlosen Staub zu parken – Schnäppchen. Hier in Graceland, dem ehemaligen Anwesen von Elvis Presley in Memphis, Tennessee, gibt es genau diesen einen Parkplatz, den ich nutzen muss, ob ich will oder nicht. An der Straße parken – verboten. Mit dem Bus von Downtown Memphis nach Graceland fahren und das Parkplatzproblem so umgehen – Fehlanzeige, nicht möglich.

Ich wühle in meinem Portemonnaie, noch immer unschlüssig, ob ich die horrenden Parkgebühren kommentieren soll oder nicht. Ich entschließe mich dagegen, die Hitze hat mich streitmüde gemacht. Take it easy, sage ich mir – was sind schon 10 Dollar extra, wenn ich im Vorfeld schon 77,50 Dollar für zwei Eintrittskarten bezahlt habe?

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Das Ding mit dem Alter

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Mit 6 war ich felsenfest davon überzeugt, dass 7 werden der heilige Gral war. Denn mit 7, da ging man in die Schule, da wurde man schlau, schließlich lernte man zählen und die Uhr und das Alphabet. Dass 7 sein noch lange nicht der Freifahrtsschein für irgendwie alles ist, lernte ich spätestens, als einige meiner Grundschulfreunde am Montag mit dem Schauen des Tatorts am Sonntag prahlten und ich mit dem Vorschlag, es ihnen gleich zu tun, an der elterlichen Autorität gnadenlos scheiterte: Ich sei zu jung, viel zu jung, was den anderen Eltern denn einfiele und überhaupt, was die anderen Kinder in meinem Alter dürften, das würde uns nicht interessieren. Mit 7, da lernte ich also den vereinnahmenden Plural kennen. Continue Reading